JUNI 2016

Waldbegehung

17.06.2016


Von Flaumeichen, Douglasien

und Esskastanien

Unterwegs im Estenfelder Wald


Die Waldbegehung stand unter dem Thema "Die Sonderbaumarten im Estenfelder Wald". Der Ausgangspunkt lag nach der Autobahnbrücke Richtung Rothof. Dort präsentieren sich, gleich neben der Autobahn, mehrere Flaumeichen, die in den 1960er Jahren im Zuge des Autobahnbaus gepflanzt wurden. Die Flaumeiche ist ein sommergrüner, meist krummwüchsiger Baum. Sie kann Wuchshöhen von bis zu 25 Metern und ein Alter bis 500 Jahre erreichen. Sie bildet eine dicke, stark zerklüftete, längsrissige Borke. Den anfangs filzig flaumig behaarten Zweigen, Knospen und Laubblättern verdankt sie ihren Namen. Weiter ging es zu den Douglasien, die vor etwa 50 Jahren gepflanzt wurden. Die Douglasie ist ein immergrüner Baum. In Europa erreicht sie Wuchshöhen um 60 Meter. Zurzeit steht dieser Baum in der Kritik, weil er ein in Nordamerika heimisches und in Europa forstlich angebautes, fremdländisches Nadelgehölz darstellt. Im Gegensatz zur Fichte ist dieser Baum viel härter und kann in der Möbelindustrie sehr gut Verwendung finden. Der Baum gehört nach Meinung der Genossenschaftsmitglieder ins Mischwaldangebot. Anschließend zeigte Forstbetriebswirt Klaus Wolz anhand von Zweigen den Unterschied zwischen der Rotbuche und der Hainbuche. In Estenfeld stehen fast ausschließlich Hainbuchen, die Rotbuche ist selten, es gibt nur an die zehn Bäume. Wichtiger Bestandteil der Waldbegehung war neben der Naturverjüngung die Neuanpflanzung mit Edellaubpflanzen wie Esskastanie, Speierling, Esche und Elsbeere im Genossenschaftswald. Mit Wurst und Brötchen endete eine hochinteressante Waldbegehung.

Kies IV

20.06.2016


Zukunft mal 16

Erschließung des Baugebiets „Kies IV“ ist fast beendet – Kaufverträge können bald unterschrieben werden


Im Baugebiet „Kies IV“ in Mühlhausen werden bald weitere Häuser entstehen. Vor Ort fand die offizielle Teilabnahme statt. Zu diesem Termin trafen sich Bürgermeisterin Rosi Schraud und Dritter Bürgermeister Gerhard Knorz mit Vertretern der Firmen, die an der Planung, Erschließung und Finanzierung beteiligt waren. Fazit: Alles ist zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde Estenfeld verlaufen. Jetzt müssen nur noch die Kaufverträge unterschrieben werden, dann können die neuen Grundstückseigentümer loslegen. Das Gebiet „Kies IV“ umfasst 16 Bauplätze – drei sind bereits bebaut, die anderen 13 sind reserviert.

Die Erschließungsarbeiten dauerten planmäßig von Mitte November 2015 bis Ende Mai 2016. Dabei wurde auch ein Entlastungskanal gebaut, der von der Kreuzung Rimparer Straße/Dr.-Fritz-Wilhelm-Straße hinunter zum Dorfgemeinschaftshaus führt. Über diesen Kanal wird das Wasser abgeleitet, das von den Grundstücken im oberen Ortsbereich kommt. Der alte Kanal ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Zur Erschließung gehörte auch der Bau einer Druckerhöhungsanlage. Sie ist nötig, um das Wasser durch das Leitungsnetz in die Mühlhäuser Hochzone zu pumpen. Dort profitieren nicht nur die Neubürger davon, sondern auch alle anderen Haushalte. Die Anlage entstand auf einem gemeindeeigenen Grundstück, das sich in der Östlichen Ringstraße in der Nähe des Friedhofs befindet.
Auch bei einem anderen Punkt wurde an die Zukunft gedacht: Unter der Erde wurden im Neubaugebiet Leerrohre verlegt, durch die einmal die Glasfaserkabel verlaufen sollen, um das Hochgeschwindigkeits-Internet nutzen zu können. Bis das neue Baugebiet in Mühlhausen ans „schnelle Netz“ angeschlossen wird, dauert es aber noch ein wenig. Die Gemeinde strebt ein erneutes Breitband-Förderverfahren an. Zunächst müssen sich die Neubürger mit etwas geringeren Übertragungsraten zufriedengeben.
Bei dem gesamten Projekt hat die Gemeinde Estenfeld eng mit der BayernGrund GmbH zusammengearbeitet. Diese hat die Kosten in Höhe von rund 927 000 Euro für Planung und Erschließung vorfinanziert. Der Gemeinde bringt das zwei Vorteile: Die Verwaltung wird maßgeblich entlastet und die Kosten belasten den Haushalt nicht.

Im Bild: (von links) Dritter Bürgermeister Gerhard Knorz, Christian Horn (Geschäftsführer, Ingenieurbüro Horn), Petra Lemke (Bauleiterin, Ingenieurbüro Horn), Bürgermeisterin Rosi Schraud, Frank Reuter (Bauleiter, Firma Ullrich) und Bernd Willibald (BayernGrund) auf der Erschließungsstraße im Neubaugebiet.

Zauberer

21.06.2016


Abrakadabra versteht jeder
In der Estenfelder Flüchtlingsunterkunft traten zwei Zauberkünstler auf


Eigentlich wollten Anne S. und

Thomas B. in einem Flüchtlingslager direkt an der türkisch-syrischen Grenze auftreten. Etwa 28 000 Menschen sind dort zurzeit untergebracht, darunter Tausende Kinder. Vor allem ihnen hätten die beiden Zauberkünstler mit ihrer Show gerne eine kleine Freude bereitet — doch die türkische Botschaft riet ihnen von der Fahrt in das Lager ab. Das Sicherheitsrisiko sei zu groß.
Zunächst einmal waren Anne und Thomas frustriert, denn sie hatten für ihre geplante Tour bereits Spendengelder und orthopädische Hilfsmittel gesammelt. Doch dann kam ihnen eine Idee: „Wir haben die Flüchtlingsheime in Deutschland praktisch vor unserer Haustüre. Also beschlossen wir, hier für die Kinder aufzutreten“, sagt Anne, während sie sich künstliche Wimpern auf die Augenlider klebt.
Heute ist sie zusammen mit ihrem Partner Thomas in der Flüchtlingsunterkunft in Estenfeld zu Gast, einer der größten im Landkreis Würzburg. 71 Menschen sind hier untergebracht, fast die Hälfte davon Kinder. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, Armenien, der Ukraine und sogar aus Kuba. Estenfeld, die siebte Station ihrer Deutschland-Reise, war Anne und Thomas, die in Leipzig zu Hause sind, bislang kein Begriff — dass hier Flüchtlinge leben, haben sie nach einer Anfrage beim Landratsamt in Würzburg erfahren.
Berufszauberer sind beide nicht, sie haben ganz normale Jobs: Anne arbeitet als Krankenschwester, Thomas als Hausmeister. Derzeit haben beide zwei Wochen Urlaub — doch statt die Füße hochzulegen nehmen sie die Mühen auf sich und tingeln durchs Land, um Kindern, die ihre Heimat zurücklassen mussten, etwas Gutes zu tun. „Wir wollen uns aber auf gar keinen Fall wichtig machen“, sagt Anne. „Es geht hier nicht um uns, sondern um die Kinder.“ Deshalb wollen sie und ihr Partner auch nicht ihre vollen Namen preisgeben. Als Künstler nennen sie sich Magic Anne und Samoht. „Unser Ziel ist es, den Kindern für 30 Minuten etwas Ablenkung zu verschaffen“, sagt Anne.
Das gelingt den beiden in Estenfeld perfekt: Sie zeigen nicht nur eigene Kunststücke, sie beziehen die Mädchen und Jungen immer wieder in ihre Show ein. Da werden Löffel verbogen, Hasen hervorgezaubert und Tücher auf wundersame Weise miteinander verknotet. In einem Buch mit weißen Seiten erscheinen nach dem für jeden verständlichen „Abrakadabra“ plötzlich bunte Figuren, leere Tüten sind nach dem Zauberwort mit Blumen gefüllt. Die Kinder sind verblüfft und bekommen den Mund vor lauter Staunen kaum noch zu. Selbst ihre Eltern, die die tollen Tricks mitverfolgen, machen große Augen. Am Ende bekommen die beiden Künstler den verdienten Applaus.

Als Anne und Thomas dann wenig später abgeschminkt und umgezogen sind und sich auf den Weg zum nächsten Auftritt nach Würzburg machen, haben sie gerade ihren letzten und allerbesten Zaubertrick geschafft: Sie sind gegangen — und doch in den Herzen der Kinder geblieben.

Hotspots

21.06.2016


Kostenlos ins Internet

Öffentliche WLAN-Hotspots sollen

Zugang zur digitalen Welt erleichtern


In Estenfeld wird es bald zwei öffentliche WLAN-Hotspots geben, die einen kostenlosen Zugang zum Internet ermöglichen. Infrage kommen dafür vier Standorte: die TSG-Halle, im Bereich der Otto-Hahn-Straße, die Weiße Mühle und die Schule. Wo sich die „Access Points“ (Zugangspunkte) am besten verwirklichen lassen, das sollen jetzt Fachleute klären. Einen entsprechenden Beschluss (14:1) fasste der Gemeinderat in seiner Sitzung. Sobald die „Rangliste“ feststeht, wird das Gremium abstimmen, ob es der Empfehlung der Experten folgt.

Gegen die Schule als Hotspot-Standort haben manche Gemeinderäte Bedenken. Sie fürchten, dass die Kinder und Jugendlichen verbotene Dinge im Netz tun könnten. Britta Schneider sagte, das schuleigene WLAN-Netz sei abgesichert – über den Hotspot habe man dagegen keinerlei Kontrolle. Ihr Mann Rupert, der Rektor an der Grundschule ist, sei strikt gegen die Einrichtung. Johannes Pietschmann teilte diese Position.

Jens Dietzsch, Lehrer an der Mittelschule, sah die Sache etwas gelassener. Die meisten Schüler hätten Handy-Verträge mit Datenvolumen, sie seien also ohnehin unabhängig von WLAN-Netzen. Bürgermeisterin Rosi Schraud fügte hinzu, dass sich sehr viele Menschen auch außerhalb des Unterrichts in der Schule aufhielten. Zum Beispiel fänden dort zahlreiche Veranstaltungen oder Kurse statt, etwa von der Volkshochschule.

Wo auch immer die zwei Hotspots in Estenfeld letztlich geschaffen werden – die Internetnutzer werden in einer Entfernung von bis zu 200 Metern davon profitieren. Die Einrichtung wird vom Freistaat Bayern im Rahmen des Programms „BayernWLAN“ finanziert, die Gemeinde muss lediglich die Betriebskosten von 300 Euro pro Jahr zahlen. Insgesamt plant der Freistaat bis zum Jahr 2020 im ganzen Land über 10 000 Zugangspunkte an 5000 Standorten. Dafür wendet er zehn Millionen Euro auf.

21.06.2016


Neues Feuerwehrhaus: Baubeginn am 1. August

Gemeinderat bringt erstes Ausschreibungspaket auf den Weg


Der Termin steht: Am 1. August sollen die Arbeiten zum Bau des neuen Feuerwehrhauses beginnen. Das Gebäude entsteht auf dem Grundstück rechts neben dem Tegut-Markt und wird rund 2,2 Millionen Euro kosten. In seiner Sitzung genehmigte der Estenfelder Gemeinderat – mit kleinen Nachbesserungen – einstimmig (15:0) die Firmenlisten für das erste Ausschreibungspaket. Dazu zählen folgende Leistungen: Baumeister, Gerüstbau, Zimmererarbeiten, Dach- und Wandverkleidung/Spengler, Verglasung und Sonnenschutz, Heizung/Lüftung/Sanitär sowie Elektro/Blitzschutz. Bei der Ausschreibung nutzt die Gemeinde die Bekanntmachungs- und Vergabeplattform „Deutsche eVergabe“. Damit ist es möglich, den gesamten Ausschreibungsprozess – von der Vorbereitung über die Bekanntmachung sowie Durchführung bis zur Bewertung und Zuschlagserteilung – noch effizienter durchzuführen.

21.06.2016


Gemeinde unterstützt Feuerwehr finanziell


Die Freiwillige Feuerwehr Mühlhausen wird auf eigene Rechnung ein Mehrzweckfahrzeug kaufen. An die Gemeinde Estenfeld hat sie sich mit der Bitte gewandt, die laufenden Kosten dafür zu übernehmen. Dazu gehören Versicherung, Steuer, Sprit und Kundendienste. Da die Feuerwehrleute eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen, war es für den Gemeinderat eine Selbstverständlichkeit, dem Wunsch nachzukommen. In der Sitzung wurde der Antrag einstimmig (15:0) genehmigt. Allerdings wird die Gemeinde nicht finanziell einspringen, sollten Reparaturkosten anfallen oder ein Ersatz für das Auto benötigt werden. Damit das Feuerwehrfahrzeug mit Digitalfunk ausgestattet wird, ist der Einbau entsprechender Geräte notwendig. Die Summe von etwa 770 Euro, die dafür anfällt, zahlt ebenfalls die Gemeinde.

21.06.2016


Kanalnetz wird gründlich gereinigt


Im Kanalnetz lagern sich Feststoffe ab, die den Abfluss des Abwassers behindern. Diese Rückstände müssen in regelmäßigen Zeitabständen entfernt werden. In Teilen Estenfelds werden deshalb in diesem Jahr wieder die Kanäle inspiziert und gereinigt. Nach der Ausschreibung standen zwei Anbieter zur Wahl: Der Kostenvoranschlag der Firma Barthel Umweltdienste (Maßbach) lag bei rund 44 700 Euro brutto, die zweite Firma verlangte

etwa 50 400 Euro brutto. In seiner Sitzung entschied sich der Gemeinderat einstimmig (15:0) für das günstigere der beiden Angebote. Die Unterhaltsleistung ist im laufenden Haushalt berücksichtigt.

21.06.2016


Mehr Straßenleuchten, höhere Kosten


Der Vertrag mit den Stadtwerken Würzburg über die Straßenbeleuchtung in Estenfeld läuft zum Ende dieses Jahres aus. In seiner Sitzung beauftragte der Gemeinderat Bürgermeisterin Rosi Schraud einstimmig (15:0), den Folgevertrag zu unterzeichnen. Er gilt vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2021. Die Zahl der Leuchten ist in der Gemeinde vor allem aufgrund des Neubaugebiets „Triebweg III“ stark angestiegen. Im Jahr 2014 gab es 654 Standard- und lediglich vier LED-Leuchten – heute sind es 648 Standard- und bereits 103 LED-Leuchten. Demzufolge steigen auch die Kosten für die Gemeinde an, sie liegen bei

rund 87 400 Euro für fünf Jahre Laufzeit.

21.06.2016


Ökostrom: Gemeinde setzt auf Regionalität


Die Gemeinde Estenfeld wird die Ausschreibung für die Lieferung von Ökostrom selbst in die Hand nehmen und auf eine Bündelausschreibung durch die Firma Kubus verzichten. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung einstimmig (15:0) beschlossen. Das Gremium hofft, auf diese Weise mehr Einflussmöglichkeiten bei der Wahl des Anbieters zu haben. Jeder Euro sollte in der Region bleiben, lautete die einhellige Meinung der Räte. Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass der Strompreis geringfügig höher ist. Der aktuell geltende Stromliefervertrag mit der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) endet zum 31. Dezember 2017.

Kreisel Ikea

21.06.2016


Kreisel soll Gewerbegebiet

hinter Ikea anbinden


Die Stadt Würzburg hatte bei den Gewerbeansiedlungen in nördlicher Richtung zuletzt meistens das Nachsehen. Die Betriebe bauten wegen der unmittelbaren Nähe zur Autobahn lieber in den Gewerbegebieten von Estenfeld oder Kürnach. Nun legt die Stadt nach und schafft hinter dem Ikea große Flächen, auf denen sich neue Firmen und damit Gewerbesteuerzahler ansiedeln sollen. Um den Bereich verkehrsmäßig besser anzubinden, soll an der Zufahrt zur B 19 zwischen Estenfeld und Maidbronn ein neuer Kreisverkehr entstehen. Die Arbeiten zum Bau des Kreisels sollen mit Beginn der Sommerferien 2017 losgehen und voraussichtlich sechs Wochen dauern. Dazu ist eine Vollsperrung der Kreisstraße WÜ 8 nötig. Wie Bürgermeisterin Rosi Schraud in der Gemeinderatssitzung informierte, hat sich der Bauausschuss jüngst für diese Variante ausgesprochen – wohlwissend, dass dies den Anwohnern der Maidbronner Straße in Estenfeld eine vorübergehende Mehrbelastung bringt. Bei einer halbseitigen Sperrung der WÜ 8 würde sich die Bauzeit jedoch verdoppeln – und das wollten die Ausschussmitglieder nicht. Sie sprachen sich außerdem dafür aus, im Zuge der Arbeiten den Radweg in Richtung Ikea mit anzubinden.

21.06.2016


A 7-Ausbau: Ministerium plant keinen Lärmschutz


Die Antwort fiel ernüchternd aus: Das Bundesverkehrsministerium hat auf ein Schreiben der Gemeinde Estenfeld reagiert und Lärmschutzmaßnahmen an der Kürnachtal- und der Pleichachbrücke eine vorläufige Absage erteilt. Begründung: Man werde die Brücken zwar für ein später geplantes sechsspuriges Befahren der A 7 ausbauen, aber vorläufig nur vier Spuren nutzen – und da seien Schutzvorkehrungen nicht notwendig. Als Bürgermeisterin Rosi Schraud das Schreiben des Ministeriums in der Sitzung vorlas, konnten die Gemeinderäte nur mit dem Kopf schütteln. Obwohl ihnen allen klar war, dass sie wenig Erfolgschancen haben, plädierten sie dafür, den Behördenvertretern zurückzuschreiben und ihren Unmut zu bekunden. Das wollen sie jedoch nicht im Alleingang tun, sondern in Absprache mit der Gemeinde Kürnach, die näher an der Autobahn liegt und somit noch stärker vom Verkehrslärm betroffen ist als die Mühlhäuser Bevölkerung.

RÜB-Wanderung

24.06.2016


Modernste Technik

zum Schutz der Kürnach
Gemeinde erklärte Bürgern

Sinn und Funktionsweise der Regenüberlaufbecken


Zwischen 2011 und 2013 stand die Gemeinde Estenfeld massiv in der Kritik. Ihr wurde vorgeworfen, dafür verantwortlich zu sein, dass in der Kürnach die Fische sterben. Aus einem Regenüberlaufbecken soll verunreinigtes Abwasser in den Bach gelangt sein. Die Ermittlungen, die damals folgten, sind zwar längst eingestellt und auch das mediale Echo ist verhallt — aber ein gewisses Misstrauen schlägt der Gemeinde immer noch entgegen, vor allem von Seiten des Bürgervereins Lengfeld.
Um zu beweisen, dass dies zu Unrecht geschieht und man in Estenfeld nichts zu verbergen hat, hatte die Gemeinde alle Interessierten zu einer Wanderung eingeladen. Diese begann am Bauhof, führte über die vier gemeindlichen Regenüberlaufbecken (am Brühl, am Eichelein, am Triebweg und an der Weißen Mühle) bis zur Messstation des Entwässerungsbetriebs Würzburg (EBW) am Lengfelder See und endete an der Weißen Mühle. Dort grillte die Estenfelder Feuerwehr Bratwürste und bot kühle Getränke an, die bei den hochsommerlichen Temperaturen sehr willkommen waren.
Auch Kürnachs Bürgermeister Thomas Eberth, Martin Günder vom Wasserwirtschaftsamt, Eberhard Oehler vom EBW, der Lengfelder Bachpächter Matthias Hampl sowie mehrere Vertreter des Bürgervereins Lengfeld liefen mit, darunter dessen ehemalige Vorsitzende Andrea Angenvoort-Baier. Eingeladen waren auch die Lengfelder Stadträte, stellvertretender Werkleiter Jörg Roth und Abteilungsleiterin Christine Neuland vom EBW sowie Eva-Maria Löffler, Leiterin des Bereichs Umwelt am Landratsamt Würzburg.
Bürgermeisterin Rosi Schraud sagte, jeder könne sich davon überzeugen, „dass wir in Estenfeld alles korrekt abwickeln“. Sämtliche Auflagen der Aufsichtsbehörden seien erfüllt worden. Die Regenüberlaufbecken würden regelmäßig überprüft. Sollte es irgendein unvorhergesehenes Ereignis geben, gehe auf allen vier Handys sowie auf dem PC des Bauhofs eine Meldung ein, damit die Mitarbeiter sofort reagieren können. „Ich glaube, wir haben hier in Estenfeld die am besten überwachten Becken im ganzen Landkreis Würzburg“, sagte Schraud.
Da Kürnachs Bürgermeister Eberth fest davon überzeugt ist, dass in der Kürnach nur reines Wasser fließt, erlaubte sich Schraud einen Spaß und machte ihrem Amtskollegen ein Angebot: Sie hatte ein mit Herzen verziertes Glas mitgebracht, damit Eberth einen kräftigen Schluck aus dem Bach nimmt.
„Der Gemeinde Estenfeld ist die Sauberkeit der Kürnach sehr wichtig“, versicherte Schraud. Denn der Bach diene als Naherholungsraum für die Bürger und den Kindern zum Spielen. Um die Bereiche entlang der Kürnach weiter aufzuwerten, sind zusätzliche Renaturierungsmaßnahmen geplant, etwa am Brühl und auf Ackerflächen, die sich kurz vor der Gemarkungsgrenze zu Lengfeld befinden.
Die Gemeinde hat ihr Kontrollsystem nach den Zwischenfällen in der Kürnach stark aufgerüstet. Seit 2015 werde die neueste Radartechnologie angewandt, erklärte Bauhofleiter Jürgen Fottner. Ein „magisches Auge“ behält den Wasserstand und die gesamte Situation im Becken von der Decke aus im Blick — und es gibt Laut, sollte etwas nicht in Ordnung sein. „Jedes Becken wird außerdem einmal pro Woche vom Bauhof kontrolliert, dazu nach jedem stärkeren Regen“, sagte Fottner. Die aktuellen Daten eines Beckens lassen sich auch elektronisch abfragen — dazu schickt Fottner eine SMS und er erhält postwendend alle Infos, die er braucht.
Ingenieur Christian Horn vom gleichnamigen Eibelstadter Ingenieurbüro erläuterte, in Estenfeld werde das Abwasser entweder im Mischsystem oder im Trennsystem abgeleitet. Beim Mischsystem fließen Schmutz- und Regenwasser durch einen gemeinsamen Kanal zur Kläranlage in der Zellerau. Anders ist das beim Trennsystem: Hier gibt es für Schmutz- und Regenwasser jeweils einen eigenen Kanal. Das Schmutzwasser wird direkt zur Kläranlage geleitet, das Regenwasser läuft nach der Reinigung in den Vorfluter, also in die Kürnach. Bei größeren Niederschlagsmengen wird das Wasser in den Regenüberlaufbecken gesammelt und gelangt erst in die Kürnach, wenn sich die Wetterlage entspannt hat. Die Becken schützen das Kanalsystem vor Überlastung und verbessern den Hochwasserschutz. „Je kleiner der Bach ist, umso größer muss das Becken sein“, sagte Horn.
Als in den 1960er Jahren begonnen wurde, die Kanäle auszubauen, setzte man in Estenfeld wie praktisch allerorten ausschließlich auf das Mischsystem. Das war kostengünstiger und schneller fertiggestellt. Seit 1999 werden die Kanäle im Ort in sämtlichen Neubaugebieten nur noch im Trennsystem verlegt.
Nach den Angaben von Ingenieur Horn ist das Estenfelder Kanalnetz insgesamt 31 Kilometer lang und hat einen Wert von rund 20 Millionen Euro. Schon diese beiden Zahlen versetzten die Wanderer ins Staunen — das noch größer wurde, als Horn nachlegte. Er sagte, die Regenüberlaufbecken in Estenfeld hätten zusammengenommen ein Speichervolumen von 840 Kubikmetern. Erforderlich seien lediglich 575 Kubikmeter — das heißt, Estenfeld liegt bei der Kapazität fast 50 Prozent über dem, was vorgeschrieben ist. Warum fassen die Becken so viel mehr? Horn sagte, die Planer hätten in den 1980er Jahren den damaligen Wasserverbrauch zugrunde gelegt und die erwartete Einwohnerentwicklung eingerechnet. Doch es sollte anders kommen: Zum einen gehen die Menschen mit dem Wasser heute viel sparsamer um — zum anderen ist Estenfeld doch nicht so stark gewachsen. Von einer Überdimensionierung der Becken möchte Horn mit Blick auf die Zukunft aber keinesfalls sprechen.

Obwohl die Kürnach nicht durch seinen Wohnort fließt, interessiert sich derzeit ein junger Mann aus Versbach sehr für den 18 Kilometer langen Bach. Für seine Bachelorarbeit hat er die Fischbestände in der Kürnach gezählt und untersucht. Interessant: Oberhalb des ersten Beckens am Brühl leben weniger Forellen als an der Weißen Mühle. Nachdem das Bächlein durch Estenfeld geflossen ist, sind also mehr Fische vorhanden als zuvor.

Letzte Änderung: 15.07.2016 22:44 Uhr